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Messen ohne Google Analytics:Was du als Gastgeber über deine Webseite wissen musst

Mit Cookie-Banner sieht Google Analytics oft nur einen kleinen Teil deiner Gäste. Hier steht, warum das so ist, welche vier Zahlen für einen Betrieb wirklich zählen und wie eine Messung funktioniert, die ohne Cookies und meist ohne Banner auskommt.

Carlos Ortiz Liz
· 7 Minuten Lesezeit

Dashboard einer Ferienunterkunft auf Laptop und Handy mit Besuchern, Besuchen und Seitenaufrufen, gezählt ohne Cookie

Neben dem Tourismus berate ich seit Jahren Firmen bei Marketing und Messung. Ich habe viele Google-Analytics-Konten eingerichtet, und fast immer kommt irgendwann dieselbe Frage: Warum zeigt Analytics so viel weniger Besucher, als offensichtlich da waren?

Die Antwort steht meistens unten auf der Seite, im Cookie-Banner. Wer dort ablehnt, ist für Google Analytics unsichtbar. Und das sind mehr Leute, als die meisten denken.

Von 100 Besuchen auf deiner Seite werden gezählt

Google Analytics mit fairem Banner

17 von 100

So viele stimmen im Schnitt zu, wenn „Ablehnen“ gleich groß daneben steht.

Messung ohne Cookies

100 von 100

Gezählt werden alle Besuche, Roboter werden vorher aussortiert.

Zustimmung nach einer Studie von etracker mit 275 deutschsprachigen Webseiten im ersten Halbjahr 2022. Über alle Banner gerechnet lag sie bei 41 Prozent.

Google Analytics legt im Browser deiner Gäste Cookies ab und liest sie wieder aus. Dafür brauchst du in der EU die Einwilligung des Besuchers, vorher darf das Programm nicht loslegen. In Deutschland steht das in § 25 des TDDDG, in Italien in den Cookie-Leitlinien der Datenschutzbehörde Garante. Beides geht auf dieselbe europäische Regel zurück.

Wie viele dann zustimmen, hat der Analyseanbieter etracker 2022 auf 275 deutschsprachigen Webseiten mit rund 500 Millionen Besuchen gemessen. Im Schnitt aller Banner stimmten 41 Prozent zu. Bei Bannern, die das Ablehnen genauso einfach machen wie das Zustimmen, so wie es die Datenschutzbehörden verlangen, waren es nur 17 Prozent. Am Handy lag die Zustimmung niedriger als am Laptop, bei 38 gegenüber 45 Prozent.

Das Problem ist nicht nur die kleinere Zahl. Wer zustimmt, ist nicht unbedingt ein typischer Gast. Ob Instagram oder Google mehr Buchungen bringt, kannst du aus einem Fünftel der Besuche kaum ablesen, schon gar nicht bei einer Ferienwohnung mit ein paar hundert Besuchen im Monat.

Ist Google Analytics überhaupt erlaubt?

Mit Einwilligung ja. Gestritten wurde lange über etwas anderes: dass die Daten an Google in den USA gehen. Im Juni 2022 hat der Garante einem Betreiber in Italien Google Analytics in der damaligen Form untersagt, weil Daten wie die IP-Adresse ohne ausreichenden Schutz in die USA gingen. Der Betreiber bekam 90 Tage, um das zu ändern.

Google Analytics und der Datenschutz in der EU
  1. Der Garante stuft den Einsatz von Google Analytics bei einem italienischen Betreiber als unzulässig ein, wegen der Übermittlung in die USA.

  2. Die EU-Kommission beschließt den EU-US-Datenschutzrahmen. Daten dürfen wieder an zertifizierte US-Firmen gehen.

  3. Das Gericht der EU weist eine Klage gegen den Datenschutzrahmen ab.

  4. Gegen dieses Urteil wird Berufung beim Europäischen Gerichtshof eingelegt. Die Entscheidung steht noch aus.

Heute ist Google Analytics mit Einwilligung und einer passenden Datenschutzerklärung erlaubt. Eine gewisse Unsicherheit bleibt, bis der Europäische Gerichtshof entschieden hat. Für einen kleinen Betrieb ist das aber eher eine Randfrage. Wichtiger ist die Frage von oben: Was nützen Zahlen, die nur einen kleinen Teil deiner Gäste zeigen?

Vier Zahlen, die für einen Betrieb reichen

Google Analytics hat Hunderte Berichte. Ein Gastgeber braucht davon wenig. Wenn ich mit Betrieben über ihre Webseite spreche, landen wir fast immer bei denselben vier Fragen.

Worauf es ankommt

Besuche, nicht Seitenaufrufe

Ein Gast, der sich Zimmer, Preise und Anfahrt ansieht, macht drei Seitenaufrufe, aber nur einen Besuch. Für dich zählt der Besuch. Steigt die Zahl im März deutlich, planen die Leute ihren Sommer. Kommen im Mai weniger als im Vorjahr, ist das ein Grund, genauer hinzuschauen.

Woher die Besuche kommen

Google-Suche, Google Maps, Booking.com, Instagram, ein Newsletter, ein Reiseblog, der dich verlinkt hat. Interessant wird es erst, wenn du siehst, welcher Weg auch zu Buchungen führt und nicht nur zu Besuchen. Damit Instagram und Newsletter sauber erkannt werden, hängst du an deine Links kleine Kennzeichen an, die UTM-Parameter, zum Beispiel ?utm_source=instagram.

Wo Gäste auf dem Weg zur Buchung abspringen

Mit dieser Zahl kann man am meisten anfangen. Von der Startseite zu den Zimmern, zum Kalender, zu den Gastdaten, zur Bestätigung: Auf jeder Stufe gehen Leute verloren. Wenn die meisten bei den Gastdaten aufhören, liegt es vielleicht an zu vielen Pflichtfeldern. Ist schon beim Kalender Schluss, stehen die Preise vielleicht erst dort und überraschen.

Von 1.000 Besuchen zur Buchung, ein Beispiel mit runden Zahlen
Dashboard-Ansicht „Vom Besuch zur Buchung“ mit den Stufen vom Besuch bis zur Buchung und dem größten Abbruch nach den Gastdaten
So sieht der Weg zur Buchung im Dashboard der Vorführung aus. Die Zahlen sind erfunden.

Wie viele direkt buchen

Am Ende zählt, wie viele Buchungen ohne Portal kommen und wie sich dieser Anteil über die Monate entwickelt. Diese Zahl kommt nicht aus der Statistik, sondern aus deinem Buchungssystem. Richtig nützlich wird sie, wenn beides zusammenhängt: Diese Buchung kam über Google, jene über den Newsletter. Was das an Provision ausmacht, steht im Artikel über die Booking.com-Provision.

So funktioniert eine Messung ohne Cookies

Eine Messung ohne Cookies speichert nichts im Browser deiner Gäste. Gezählt wird auf dem Server der Webseite, also dort, wo die Seite ohnehin ausgeliefert wird. So machen wir das in den Webseiten, die ich baue:

Ein Besuch, gezählt ohne Cookie
  1. 1

    Seite wird aufgerufen
    Der Browser schickt wie bei jeder Webseite Adresse und Browsertyp mit.

  2. 2

    Tageskennung
    Aus IP, Browser und einem Zufallswert des Tages entsteht eine unlesbare Kennung.

  3. 3

    IP wird verworfen
    Gespeichert werden Seite, Zeit, Land, Gerätetyp und Herkunft.

  4. 4

    Gezählt
    Aufrufe mit höchstens 30 Minuten Pause sind ein Besuch.

Weil sich der Zufallswert jeden Tag ändert, ist dieselbe Person am nächsten Tag eine neue Kennung. Das ist der Preis: Wer nach einer Woche wiederkommt, erkennt die Messung nicht, und für Werbung, die Besuchern später auf Instagram folgt, taugt sie auch nicht. Für einen Betrieb ist das meistens ein guter Tausch.

Google Analytics und eigene Messung im Vergleich

Google Analytics mit Banner

17 bis 41 %

der Besuche sichtbar, je nach Banner

  • Braucht Einwilligung und Cookie-Banner
  • Daten liegen bei Google
  • Erkennt Wiederkehrer und kann Werbung steuern

Eigene Messung ohne Cookies

alle Besuche

ohne Roboter und Rechenzentren

  • Kein Cookie, in der Regel kein Banner dafür
  • Daten liegen in deiner eigenen Datenbank
  • Kennt den Weg bis zur Buchung

Zustimmung nach der Studie von etracker (2022). Ob du insgesamt einen Banner brauchst, hängt auch davon ab, was deine Seite sonst noch lädt.

Rechtlich ist das in Deutschland und Italien unterschiedlich geregelt, landet aber an einem ähnlichen Punkt. In Deutschland braucht nach § 25 TDDDG eine Einwilligung, wer auf das Gerät des Besuchers zugreift, also Cookies setzt oder ausliest. Daten, die der Browser ohnehin bei jedem Aufruf mitschickt, fallen nach verbreiteter Auffassung nicht darunter, wenn sie nur für die eigene Statistik dienen und nicht mit anderen Anbietern zusammengeführt werden. Der Garante in Italien stellt Statistik-Cookies sogar den technischen Cookies gleich, wenn nur zusammengefasste Zahlen entstehen, die IP-Adresse gekürzt wird und die Daten mit nichts anderem verknüpft werden.

Erklärseite „Wie gezählt wird“ im Dashboard: kein Cookie, keine gespeicherte IP-Adresse, Tageskennung, Roboter bleiben draußen
Im Dashboard steht in einfachen Worten, wie gezählt wird. Aus der Vorführung.

Fertige Alternativen zu Google Analytics

Du musst dafür nicht selbst programmieren. Es gibt fertige Statistik-Programme ohne Cookies. Plausible zählt ähnlich wie oben beschrieben mit einer Kennung, die nach 24 Stunden nicht mehr zuzuordnen ist, und speichert die Daten in der EU. Matomo lässt sich auf dem eigenen Server betreiben und mit einem Häkchen ganz ohne Cookies einstellen. Beide zählen Besuche, Seiten und Herkunft zuverlässig.

Was ihnen fehlt, ist die Verbindung zu deinen Buchungen. Sie wissen, dass jemand auf „Buchen“ geklickt hat, aber nicht, ob daraus eine Buchung über 800 Euro wurde oder ein Abbruch beim Kalender. Genau deshalb baue ich Webseite, Buchung und Messung zusammen: Jede Buchung bekommt ihren Besuch zugeordnet, und im Dashboard steht, welcher Weg sich lohnt.

In den Vorführungen kannst du das selbst ausprobieren. Mach auf der Webseite des erfundenen Agriturismo eine Testbuchung und sieh sie danach im Dashboard. Die Daten dort sind erfunden, deine eigenen Besuche sind echt.

Was du heute schon tun kannst

Auch wenn du bei Google Analytics bleibst, kannst du einiges besser machen:

  • Lies deine Zahlen als Ausschnitt. Wenn nur jeder Dritte zustimmt, stehen hinter 300 Besuchern in Analytics vielleicht 900 echte.
  • Prüf, ob dein Tracking wirklich erst nach der Zustimmung startet. Lädt es vorher, hast du ein Datenschutzproblem.
  • Häng an die Links in Instagram, Newsletter und Google-Unternehmensprofil UTM-Parameter, damit du die Wege auseinanderhalten kannst.
  • Frag bei jeder Direktbuchung, wie der Gast auf dich gekommen ist. Ein Auswahlfeld im Buchungsformular reicht.
  • Richte die Google Search Console ein. Sie zeigt, bei welchen Suchanfragen deine Seite erscheint, und setzt bei deinen Besuchern keine Cookies.

Wie ein Dashboard ohne Cookies für einen Gastgeber aussieht, siehst du im Dashboard der Vorführungen. Bei Fragen schreib mir einfach. Ich antworte selbst, auf Deutsch, Englisch oder Spanisch.

Häufige Fragen

Brauche ich ohne Google Analytics noch einen Cookie-Banner?

Nur wenn deine Seite andere Dienste lädt, die eine Einwilligung brauchen, zum Beispiel eingebettete Karten, Videos oder Schriften von fremden Servern. Eine Messung ohne Cookies braucht in der Regel keinen Banner. Im Zweifel klärt das eine Fachperson für Datenschutz.

Ist Google Analytics in der EU erlaubt?

Ja, mit Einwilligung der Besucher und einer passenden Datenschutzerklärung. Seit Juli 2023 gilt der EU-US-Datenschutzrahmen, das Gericht der EU hat ihn im September 2025 bestätigt. Eine Berufung beim Europäischen Gerichtshof ist noch offen.

Wie viele Besucher sieht Google Analytics mit Cookie-Banner?

In einer Studie von etracker mit 275 deutschsprachigen Webseiten stimmten im Schnitt 41 Prozent zu, bei Bannern mit gleichwertigem Ablehnen-Knopf nur 17 Prozent. Die übrigen Besuche fehlen in der Statistik.

Was ist eine Messung ohne Cookies?

Eine Statistik, die nichts im Browser speichert. Der Server der Webseite zählt die Aufrufe und bildet dafür eine kurze Kennung, die nur einen Tag gilt. Die IP-Adresse wird nicht gespeichert.

Was erfährt eine Messung ohne Cookies nicht?

Ob jemand nach Tagen wiederkommt. Außerdem eignet sie sich nicht, um Besuchern später Werbung zu zeigen. Besuche, Herkunft, gelesene Seiten und den Weg zur Buchung zeigt sie vollständig.

Quellen

  1. etracker: Consent Study 2022 (275 Websites, 1. Halbjahr 2022)
  2. Google Analytics-Hilfe: Verhaltensmodellierung im Consent Mode
  3. Garante privacy: Linee guida cookie e altri strumenti di tracciamento (10.06.2021)
  4. Il Post: Al Garante della privacy non piace Google Analytics (25.06.2022)
  5. Hunton: EU General Court confirms adequacy of EU-U.S. Data Privacy Framework (09.2025)
  6. WilmerHale: European Court of Justice to review challenge to EU-U.S. Data Privacy Framework (01.12.2025)
  7. Dr. Datenschutz: Webanalyse und Nutzerstatistiken ohne Einwilligung
  8. Plausible: Data policy
  9. Matomo: How do I enforce tracking without cookies?

Stand der Angaben: 16. Oktober 2026. Das ist kein Rechtsrat. Gesetze, Urteile und die Bedingungen von Google ändern sich, für deine Seite zählt die Prüfung durch eine Fachperson.